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Faszien als sensorisches und emotionales Organ

Fortbildung mit Dr. biol. hum. Robert Schleip 

vom 15. – 16.10.2022 in Frankfurt am Main

Umsetzung neuer Erkenntnisse aus der Bindegewebsforschung in die myofasziale Behandlungstechnik

 

 

Neuere Forschungen zeigen, dass das kollagene faserige Bindegewebs-Netzwerk des Körpers (Faszien) eine weitaus aktivere Rolle spielt als bisher angenommen. Dazu gehört die Fähigkeit der Faszien, ihre Steifigkeit unabhängig von der neuromuskulären Steuerung zu verändern, ihre Rolle als potenzieller Schmerzgenerator und ihre Funktion als unser reichhaltigstes Sinnesorgan für die Körperwahrnehmung.

Darüber hinaus sind neue Erkenntnisse über eine komplexe Verbindung zwischen Faszien und dem vegetativen Nervensystem sowie emotionale Aspekte verfügbar geworden. Diese neuartigen Perspektiven bieten wertvolle Anregungen für die praktische klinische Anwendung bei der therapeutischen Arbeit mit posttraumatischen Belastungsstörungen sowie anderen verbreiteten Aspekten der muskuloskelettalen Medizin. Dr. Robert Schleip, Leiter des Faszien-Forschungsprojektes der Universität Ulm, wird die wichtigsten Erkenntnisse aus der internationalen Faszienforschung der letzten Jahre in verständlicher Form beleuchten sowie hierauf abgestimmte praktische Umsetzungen in myofasziale therapeutische Anwendungen vermitteln.

 

Inhalt

  • Faszien als Sinnesorgan: ihre Bedeutung für die Propriozeption, unseren sogenannten sechsten Sinn.
  • Faszien und Interozeption: Einfluss von viszeralen und (sub)kutanen Rezeptoren auf das Körperbild und emotionale Grundausrichtungen.
  • Die Rolle von Embodiment und Achtsamkeit in der faszialen Wahrnehmung.
  • Das Tensegrity-Konzept in dynamischer Aktion: myofasziale Kraftübertragungsrichtungen mit neuesten Modifkationen. Relevanz für die Haltungsregulation.
  • Lendenfaszien: Architektur und Innervation. Neue Aspekte in der Rückenschmerzforschung.
  • Golgi-Rezeptorstimulation: Anwendung zur Korrektur von Schulter-Protraktionen.
  • Pacini-Stimulation: Anwendung auf spinale Facettengelenke und kostovertebrale Gelenke.
  • Ruffini-Stimulation: Anwendung am oberen Trapez, mit Folgewirkungen auf den vagalen Tonus die Herzfrequenzvariabilität.
  • Spiegelneurone und Empathie: praktische Anwendung mit der CASE-Technik (constructive anticipatory somatic empathy).
  • Stimulation der freien Nervenenden: Beispiel einer Periost-Manipulation.
  • Faszientechniken zur Behandlung von akuten Schmerzen im unteren Rückenbereich.
    Faszientechniken zur Behandlung des myofaszialen Nackensyndroms.
  • Arbeit mit posttraumatischen Belastungsstörungen im physiotherapeutischen und bewegungspädagogischen Kontext.
  • Einbeziehung von achtsamen Mikrobewegungen des Patienten während der praktischen Arbeit.

 

Für wen ist dieser Workshop geeignet?

Dieser Workshop vermittelt allgemeine, sowie gezielte praktische Anregungen für eine Einbeziehung des körperweiten Fasziennetzes in der Körpertherapie und der Bewegungspädagogik. Er richtet sich z.B. an Ärzte, Therapeut*innen und Pädagog*innen, die ihre bisherigen Kenntnisse mit erfrischenden Inspirationen und konkreten praktischen Tipps und Anleitungen erweitern möchten. Dies gilt z.B. für Ärzte der Orthopädie, Therapeut*innen der Physio-, Ergo-, und Osteopathie, Pädagog*innen für FELDENKRAIS®, F.M. Alexander-Technik und Eutonie, Trainer*innen für Pilates, Yoga, Tanz und Personaltraining, sowie Atem- und Stimmtraining. Ebenso für Liebhaber*innen der östlichen oder westlichen Bewegungskünste und interessierte Laien, die mehr über Körperwahrnehmung und Bewegungs-Koordination aus faszialer Sicht, für ihren Alltag lernen wollen. Dr. biol. hum., Dipl. Psychologe ROBERT SCHLEIP ist Leiter der Fascia Research Group der Universität Ulm, sowie Forschungsdirektor der European Rolfing Association.

 

Er war Co-Initiator des 1. Fascia Research Congress (Harvard Medical School, Boston 2007), womit der wissenschaftliche Durchbruch auf diesem neuen Feld gelang. Seither ist er im wissenschaftlichen Komitee der Nachfolgekongresse. Selbständige manualtherapeutische Praxistätigkeit seit 1978, seit 1993 Lehrtätigkeit als Rolfing- und Feldenkrais Lehrer, ab 2003 zunehmende Schwerpunktverlagerung in die wissenschaftliche Grundlagenforschung. Im Jahr 2006 wird seine mit der akademischen Höchstnote ‚summa cum laude‘ ausgezeichnete experimentelle Promotionsarbeit zum Thema ‚Aktive Faszienkontraktilität‘ zusätzlich mit dem angesehenen Vladmir Janda Preis für Muskuloskeletale Medizin geehrt. Dr. Schleip ist Autor zahlreicher Fachpublikationen zum Thema Faszien.

 

 

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